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Historie des
Rheinhessendomes |
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Historie:
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Der Rheinhessendom: 19. Jahrhundert: Überlegungen zum Kirchenneubau und Bau des Rheinhessendomes Folgen wir den Aufzeichnungen von Kaplan Lemb, so ist das Bedürfnis nach einer neuen größeren Kirche schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts festzustellen. Stets jedoch fehlten die notwendigen Mittel. Als dann im Jahre 1849 die Scheunen zweier benachbarter Häuser abgebrannt waren, kaufte der Kirchenvorstand diese beiden Grundstücke im Jahre 1850 für 300 Gulden. Auf die Initiative des Pfarrers Krautheimer und des Kaplans Strobel wurde eine monatliche Kollekte der Gemeinde veranstaltet, die zwischen 1854 und 1869 die Summe von 10000 Gulden eintrug. Der Pfarrverwalter Ludwig vermittelte im Jahre 1864 die Zusage des groß-herzoglichen Territorial-Kommissars und Geheimen Rats Karl Schmitt zu Mainz für die großzügige Zuwendung von 10000 Gulden aus dem allgemeinen Kirchen- und Schulbaufonds. Es ist bereits der Kirchturm-brand von 1866 erwähnt worden. Ein Feuerfunken muss in den Kirchturm geflogen sein, wo die Spatzen Nester hatten, die dann sofort Feuer fingen. Der Brand dauerte von 7.00 bis 12.00 Uhr. Dabei zersprangen auch die Glocken, die allerdings von dem Glockengießer Hamm aus Kaiserslautern umgegossen wurden, so dass sie am 22. Sept. 1867 von Herrn Dekan Reis aus Nieder-Olm benediziert werden konnten. Im gleichen Jahr wurde auch der Kirchturm wiederaufgebaut und dabei um 25 Fuß (etwa 8m) erhöht. Aber über den Neubau der Kirche konnte man sich nicht einigen, zumal die bereits vorhandene Bausumme nicht ausreichend war. Pfarrer Dominikus Grimm, 1864 bis 1912 Pfarrer in Gonsenheim, setzte sich jetzt mit aller Energie für eine Vergrößerung der Kirche ein. Dies tat er vor allem in einer Predigt, die er am Osterfest 1868 hielt. Hierin schilderte er, wie armselig und unwürdig die alte Kirche in ihrem jetzigen Zustand sei. Er erklärte, ein Neubau sei nicht ratsam, weil zum einen die Gemeinde zwei Jahre lang keine Kirche habe, zum andern aber auch, weil nicht genügend Geld vorhanden sei. Außerdem wies er darauf hin, dass die Gemeindemitglieder zur alten Kirche enge Bindungen hätten. Dann erläuterte er den Plan des Mainzer Bauunternehmers Dr. Geyer, wo-nach die alte Kirche stehen bleiben sollte und schließlich mit der neuen Kirche ein förmliches Kreuz bilden sollte. Schließlich spricht Pfarrer Grimm von der historischen Bedeutung eines Kirchenneubaus: „Die Chronik von Gonsenheim wird einst den Nach-kommen erzählen, wie Gonsenheims Männer und Jünglinge, Frauen und Mädchen ihren Goldschmuck aus Liebe zu Jesus opferten, um ihm ein besseres Gotteshaus zu bauen. Ich sage mit Recht ,opferten', denn heutzutage auf den Goldflitterluxus zu verzichten, ist ein Opfer. Sei zufrieden mit deinen Ohrgehängen, zufrieden mit dem goldenen Kreuze auf der Brust, zufrieden mit dem so sinnreichen Trauringe, und bringe freudig und gerne zum Opfer den übrigen unnötigen Goldschmuck... " Die Worte der Predigt machten Eindruck auf die Gonsenheimer, die je nach ihrem Vermögen recht ansehnliche Summen spendeten. Ein beachtliches Beispiel der Frömmigkeit und Opferwilligkeit gaben die Mädchen und Frauen von Gonsenheim, indem sie Gold- und Silberschmuck und andere Kostbarkeiten opferten. Hinzu kamen noch viele Spenden von Auswärtigen. Danach konnte eine große Verlosung abgehalten werden, die ungefähr 7000 Gulden eintrug. Nun konnte bald mit dem Neubau der Kirche begonnen werden, da auch die Mitglieder des Kirchen- und Gemeinderates einstimmig die neuen Pläne billigten. Der Dombaumeister Wessicken aus Mainz fertigte einen Plan zu einer Kirche im gotischen Stil, wovon der Chor und das Kreuzschiff sofort, die übrigen Teile aber später gebaut werden sollten. Der Kostenvoranschlag war mit 45 000 Gulden angesetzt; die Maurerarbeit übernahm der Bauunternehmer Usinger aus Mainz. Am 3. Sept. 1869 wurde mit der Fundamentierung der Kirche begonnen, die anfangs November unterbrochenen Arbeiten wurden am 25. April 1870 fortgesetzt. Die feierliche Grundsteinlegung sollte am 20. Juli 1870 stattfinden. Da aber zwei Tage vorher die Kriegserklärung von Frankreich an Preußen erfolgte, wurde diese Zeremonie erst am 16. Oktober durch Dekan Reis von Nieder-Olm vorgenommen. Er selbst stiftete übrigens 2000 Gulden und der geistliche Rat Berthes von Mainz steuerte ebenfalls 1000 Gulden bei. Der Bau wurde allerdings erst im Spätjahr 1872 fertig. Am 9. Okt. nahm der Mainzer Bischof Wilhelm Emanuel Freiherr von Ketteler die Konsekration der neuen Kirche vor, deren Bedeutung er nachmittags in ergreifenden Worten würdigte. Kaplan Lemb berichtet von dem Festlag: „Die vortreffliche Festpredigt am Morgen hielt der Domkapitular und Regenz Dr. Moufang von Mainz hierauf zelebrierte der Hochwürdigste Herr Bischof ein feierliches Pontifikalamt, bei welchem 27 Geistliche und eine große Menge Volkes aus Gonsenheim und der Umgebung anwesend waren. Den Tag der Einweihung beging die ganze Gemeinde auf die würdigste und feierlichste Weise wodurch die ihren lebendigen Glauben und religiösen Eifer wiederum aufs Thatsächlichste bekundete. "" Da die dem Grundstein beigelegte Urkunde einen hohen zeitdokumentarischen Wert besitzt, soll ihr Wort-laut auch hier wiedergegeben werden: „Im Namen der heiligsten und unteilbaren Dreifaltigkeit, unter Anrufung der unbefleckten Jungfrau, der Mutter unseres Herrn Jesu Christi, welcher der Eckstein und das Fundament der zu errichtenden neuen Kirche ist, die größer und schöner an die Stelle der alten treten soll und zur Ehre und zum Gedächtnis des heiligen Stephanus, des Erzmärtyrers und Hauptpatrons, sowie auch des heiligen Joseph, des Bräutigams der allerseligsten Jungfrau, und der heiligen vierzehn Nothelfer geweiht und eingeweiht ist, wurde dieser Grundstein am 20. Juli des Jahres 1870 nach Christi Geburt, als Papst Pius IX das Steuer der Kirche mit Starkmut und Milde führte und das Kreuz geduldig trug, das heilige allgemeine vatikanische Konzil bereits seit dem 8. Dez. 1869 im heiligen Geiste versammelt war, und Wilhelm Emanuel Freiherr von Ketteler, seiner päpstlichen Heiligkeit Hausprälat und Thronassistent, mit Frömmigkeit die Herde weidete, als Ludwig III, Großherzog von Hessen und bei Rhein, in schlimmen Zeiten den Staat glücklich regierte, Karl Schmitt großherzoglicher Geheimer Rat, Territorial-Kommissär von Rheinhessen war, der auch die Erbauung dieser Kirche eifrig befördert hat, durch die Bemühungen des Pfarrers dieser Gemeinde Gonsenheim, Dominicus Grimm, geweiht, eingesenkt und befestigt vom Dekan des Landkapitels Nieder-Olm und besonderen Beförderer dieses Kirchenbaus, Antonius Reis, in Gegenwart des Bürgermeisters Johann Ludwig I., des Kaplan Franz Joseph Lemb, ferner des Baumeisters dieser Kirche Joseph Wessiken, Dombaumeister in Mainz, mit seinen Gehilfen, dem Bauunternehmer Franz Joseph Usinger von Mainz und dem Steinmetzmeister Peter Hechler von Flonheim. Anwesend waren auch die Mitglieder des Gemeinderates: David Becker 4., Johann Becker 33., Johann Jakob Becker, Philipp Becker 8., Stephan Brandmüller 3., Franz Braum 2., Joseph Braum I., Augustin Müller, Philipp Prestell, Joseph Seib4., die Mitglieder des Kirchenvorstandes: Anton Becker 4., Franz Becker 6., Franz Müller 3., Philipp Pfeifer, Jakob Werum 2. und der Kirchenrechner Paul Ludwig 2., die Lehrer Valentin Würth, Stephan Grebner, Lorenz Schönemann. Zahlreich versammelt waren dabei die Bewohner von Gonsenheim, die mit großer Opferwilligkeit ihre Beiträge zu dem Werke gegeben, und mit dankbaren Herzen Gott alle diejenigen empfehlen, die dieses Werk gefördert und dazu mitgeholfen, unter denen besonders des geistlichen Rates Heinrich Berthes in Mainz zu gedenken ist, und feierten heute alle einmütig und mit großer Freude das schöne Fest in der fröhlichen Hoffnung, den Lohn ihrer Frömmigkeit zu finden mit der triumphierenden Kirche im himmlischen Jerusalem." Man ergänzte die Innenausstattung der Kirche im Laufe der folgenden Jahre: 1875 Kanzel und Kommunionbank, 1882 der Hochaltar, 1883 ein Rosenkranzaltar und 1885 ein Vierzehn-Nothelfer-Altar, beide als Seitenaltäre. Am 14. April 1905 wurde dann mit dem zweiten Bauabschnitt begonnen. In seiner berühmten Predigt von Ostern 1868 hatte Pfarrer Grimm dies für das kommende Jahrhundert angekündigt. Man zog eine Mauer, die den neuen Teil der Kirche vom alten abtrennen sollte. Dann wurde der alte Teil der Kirche abgerissen, Die Bauleitung hatte eine Firma aus Darmstadt, die Innenbemalung der Kirche besorgte der Kunstmaler Potthast aus Wiesbaden. An Gonsenheimer Handwerkern waren beteiligt: Zimmermeister Gerster, Spengler Keim, Schlosser Gradinger, die Schreinermeister Becker und Werum, der Dachdecker Peter Neuhäuser und die Bildhauer Nolden und Lehr. Zwar weist der Grundstein aus, dass der 16. Juli das Datum der Einweihung sein sollte, aber erst am 30. Juli 1905 nahm Dekan Leist von Hechtsheim die Einweihung vor. Der Grundstein befindet sich am südlichen hinteren Eingang der Kirche und trägt die Inschrift: LAPIS PRIMARIUS EXAEDIFICANDI TEMPLI 16. Juli 1905. Am 30. Sept. 1906 weihte der Mainzer Bischof Dr. Georg Heinrich Kirstein die Kirche ein, deren Länge nunmehr 62,5 m, Innenbreite im Schiff 18,65 m und Flächeninhalt 1365 qm beträgt. Die weithin sichtbaren Türme haben eine Höhe von 57 m und stellen somit den dominierenden Blickfang des Gonsbachtales dar. |
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letzte Änderung: 18.11.2003 |